Bauten

 

Von der alten in die neue Kirche

Die alte Kirche war eine Längskirche. Chor und Schiff streng voneinander getrennt. Altar und Volk weit auseinander. Alle wollten weit vom Altar weg sein. Die Kirche wurde von hinten nach vorn gefüllt. Einzelne begehrten, immer am gleichen Platz, andere in einem bestimmten Winkel zu sein. Noch immer ist die Zahl derer beträchtlich, die im Gottesdienst machen, was sie wollen. Die Gläubigen kommen als Einzelgänger in die Kirche und betätigen sich zur Hauptsache als solche.

Das war auch das Merkmal der alten Zeit: viele Einzelgänger, wenig Gemeinschaft. Darum so viel Unfrieden, Hunger und Krieg.

Am Übergang von der alten zur neuen Zeit, aber auch von der alten zur neuen Kirche steht das Zweite Vatikanische Konzil. “ Gott wollte die Menschen nicht als Einzelne heiligen und retten; er wollte sie zu einem Volke machen, das ihn in Wahrheit anerkennt und ihm in Heiligkeit dienen will. Das Volk Gottes hat Christus zu seinem Haupte. Sein Gesetz ist das neue Gebot, zu lieben, wie Christus geliebt hat.“ (Vat. Konzil Dekret Kirche).

Unsere neue Kirche will dem Volk Gottes, der grossen Gemeinschaft dienen. Sie ist ovalförmig und schliesst in sich ein: Chor und Schiff, Priester und Volk. Chor und Altar werden von den Gläubigen auf drei Seiten umgeben, gleichsam an sich gezogen. Andrerseits zieht sie das Licht zum Zentrum, zur Gemeinschaft mit Christus im Opfer und Opfermahl.

Die Gläubigen werden nicht mehr abgelenkt von allerlei Bildern, Statuen und Figürchen. Ihr Blick wendet sich zum kostbar ausgestatteten Chor. Die Gläubigen sollen sich orientieren an den kraftvollen Werken des Chores: Altar, Kanzel, Tabernakel, Taufbrunnen. Um diese zentralen Dinge soll sich unser Denken und Erleben bewegen.

In der neuen Kirche wollen alle hin zum Licht, hin zum Altar. Sie wollen in Gemeinschaft stehen mit dem Haupte Christus und seinen Gliedern, im Volk Gottes und in der brüderlichen Gemeinschaft.

Wir müssen unser Denken mit dem Gemeinschaftssinn, mit dem Interesse für die andern, mit dem Interesse für die Kirche durchdringen. Wir wollen immer bewusster am Gottesdienst teilnehmen und immer mehr Gemeinschaft werden. Das soll dem religiösen Leben eine nachhaltige und tief gemeinschaftliche Note geben. Die alte Zeit und die alte Kirche bedeuteten vielfach Trennung, Absonderung. Die neue Kirche und die neue Zeit verlangen Bindung, Zusammenhalten, Gemeinschaft.

Unsere Religion ist die Religion der Gemeinschaft. Danach wird einmal die Welt gerichtet. Wer Gemeinschaft lebt, ist gerettet; wer sie schlecht lebt, ist verloren.

 

Der Kirchenbau im Werden

Unsere alte Kirche wurde 1667 gebaut und 1902/1903 etwas verlängert. Sie zählte nur ca. 150 Sitzplätze.

Darum haben Pfarrei und Kirchgemeinde über 12 Jahre lang Mittel für eine neue Kirche gesammelt.

Die Kirchgemeindeversammlung vom 11. Februar 1962 genehmigte den Kauf von 1450 m2 Bauland von den Gebrüdern Stocker, Surenweid. Sie beschloss zugleich, die neue Kirche auf der Pfarrmatte zu erstellen, die damit ebenfalls in den Dienst des Kirchenbaus gestellt wurde.

Die Einwohnergemeindeversammlung vom 15. April 1962 beschloss die Schenkung von 2820 m2 Bürgerheimland an den Bauplatz der neuen Kirche. Damit war der Kirchenbauplatz gesichert.

Weil zu gleicher Zeit ein Schulhaus gebaut werden musste, drang der Gedanke durch, mit Kirche und Schulhaus ein gemeinsames Gemeindezentrum zu bauen. Da vor allem der Schulhausbau sehr drängte, sah man von einem Wettbewerb ab. Man berief den erfahrenen Kirchenbauarchitekten Fritz Metzger, Zürich. Von ihm wusste man, dass er sicher einen modernen Bau, aber ohne Übertreibungen, erstellen werde. Die Kirchengemeindeversammlung vom 15. Dezember 1963 wählte eine zwölfmitgliedrige Kirchenbaukomission und bevollmächtigte den Architekten, ein Vorprojekt zu erstellen. Entscheidend war die Kirchgemeindeversammlung vom 25. Juni 1965. Da wurde der Bau der Kirche beschlossen. Der Kostenvoranschlag mit CHF 2’100’000.-(Kirche, Turm, Sakristei, Pfarrhaus) wurde genehmigt und der nötige Baukredit bewilligt.

Der erste Spatenstich wurde zugleich  mit jenem vom Schulhaus an Maria Lichtmess 1966 vollzogen, während der eigentliche Baubeginn erst am 28. Juni 1966 erfolgte.
Am 21. August 1966 wurde das Steuerabkommen mit der Kirchgemeinde Sursee vereinbart. Für die der Pfarrei zugeteilten Gebiete wurden die Kirchensteuern der Wäschefabrik Calida und der sechs neuerstellten Blöcke im Feldhöfli an die Kirchgemeinde Oberkirch abgetreten.

Die Grundsteinlegung für die neue Kirche fand am 23. April und das Aufrichtefest am 10. November 1967 statt.
Nun steht das Ganze in der Vollendung da. Das Werk lobt den Architekten, die Bauleiter, die Unternehmen, die Handwerker und Arbeiter. Vor allem aber sind wir froh, dem dreifaltigen Gott ein solches Werk übergeben zu können. Die Kirche wurde am 22. Juni 1968 durch den Bischof von Basel, Dr. Anton Hänggi, geweiht.

 

Bemerkungen zum Kirchenbau

Das Gelände, in welchem das neue Dorfzentrum von Oberkirch erstellt werden konnte, erlaubte der Kirche eine dominierende, bekrönende Lage zu geben. Eigentlich käme eine solche jedem Kultbau zu, jedem solchen geistigen Zentrum, ob heute verkannt oder noch als gültig gewürdigt.

Der Turm, das fernwirkende Wahrzeichen, ist zugleich Tor und Anlage. Von ihm führen die Stufen zum Vorplatz und mit zweiter Wendung zur Kirchenvorhalle und Portal. Eine gewollte Entwicklung, ein Weg mit verschiedenen Etappen, münden schliesslich ins grosse, sammelnde Oval des Kirchenraumes. Diese ovale Körper- und Raumform ist der natürliche Ausdruck ; die natürlich sich ergebende Umhüllung der versammelten Gemeinde. Die Form ist hier also von ihrer Funktion geprägt: Raum zur Vereinigung der Menschen. Er wird hier charakterisiert durch das über seinem Altarbezirk hoch einfallende Licht in der sich senkenden Decke. Beides, hohes Licht und sich neigende Decke , sind sinnhaft gemeint. Sie dürfen das Wesen des Raumes ausdrücken. Brüderliche Gemeinschaft um das Licht will hier erlebbar dargestellt sein, das Licht des Mahles, des Tabernakels, des Wortes, der Taufe.

Dabei scheint mir wichtig zu sein, dass diese Deckenform samt der Lichtkuppe auch konstruktiv und technisch  notwendig sind, in diesem sonst unrationalen Kunstwerk.

Der Altarbezirk, dessen Teile Bildhauer Alfred Huber gestaltete, ist von der Rückwand gegen die Gemeindemitte hingeschoben. In Prozessionen kann er so, samt Gemeindeplätzen, umschritten werden und der Ort der Vereinigung in neuer Weise erlebt werden.

Mit dem Pfarrhaus, samt Sakristei, entsteht ein Zusammenhang mit den profanen Bauten der Schule und des Gemeindesaales. Zusammen mit dem Hang und der Verbindungshalle zur späteren 2. Schuletappe wird ein Schulhof räumlich gefasst und dem baulichen Dorfzentraum schon heute eine gewisse Geschlossenheit und Ganzheit gegeben.

Das alles schreibe ich hier fern von Oberkirch. Selten nur erlaubte mir die körperliche Behinderung einen Baubesuch. Früher war ich gewohnt, jedes Detail persönlich zu überwachen. Hier musste ich alles vertrauensvoll besorgten Helfern, Unternehmern und Arbeitern überlassen und wurde nicht enttäuscht.

Fritz Metzger
In der Brochure zur Kircheneinweihung